Und so weiter…

Der Wecker klingelt und obschon im Hochsommer ist es draußen noch nicht hell. Langsam quäle ich mich hoch, wie ein alter Mann obwohl ich gerade 17 bin. Der Kühlschrank ist, ähnlich wie ich selbst gähnend leer also verzichte ich auf Frühstück und stopfe mir stattdessen ein paar Corny’s in meinen Rucksack.

Auf dem Weg zum Bahnhof fühle ich mich wie als wären Jahrhundert schneller als Tage an mir vorbeigezogen. Unsterblich, sich durch die Zeit quälend, die ein Feldweg in einem Kaff in Niedersachsen ist. Im Zug treffe ich Steffen. Er ist wesentlich älter, Student glaube ich und arbeitet ebenfalls bei Lieker Stahlbau. Jedoch hat er das Glück gehabt in der Halle Fensterrahmen zusammenschrauben zu dürfen, während ich mit rauß muss um die Dinger und die entsprechenden Scheiben durch die Gegend zu schleppen. Steffen scheint topfit. “Man gewöhnt sich daran” meint er und erzählt lachend wie er beim Schwarzfahren erwischt wurde.

Kurze Zeit später stehe ich in dieser verdammten Halle und höre dabei zu, wie der Meister herumbrüllt. “Beweg dich Eisbär”. Eisbär ist ein 30-Jähriger Russe, der so genannt wird seit zwei Eisbären auf der Einladung zu seiner Hochzeit abgebildet waren. Er nimmt es locker, hat absolut keine Lust und macht auch nicht die geringsten Anstalten das zu verbergen. Irgendwo finde ich eine Kippe die ich aus meinen letzten Tabakresten gestopft habe, zünde sie mir an und mein rebellierender Magen macht mich darauf aufmerksam, dass Nikiton kein Nahrungsmittel, sondern ein Nervengift ist.

Unterwegs bin ich mit Tom. Ein Junggebliebener, der den ganzen Tag wie Paul Panzer redet und sich darüber kaputtlacht. “Ich sage dir, wenn mir die Arbeit hier nicht so einen Spaß machen würde hätte ich schon längst gekündigt.” Ich drehe mich um und hebe die Fensterscheibe.

Mit halb geschlossenen Augen sitze ich im Zug. Über und über mit Dreck vollgeschmiert, denn es regnete und irgendwelche Styporstückchen mussten in irgendwelche Fugen gestopft werden. Die Leute schauen mich angewiedert an. Doch es ist Freitag ! Wochenende!

Ich will, nein ich muss mich besaufen. Das alles vergessen, mich gut fühlen. Und genau das tun wir. Drei Stunden später kotze ich vom “Petite Fleur” in eine Gartenhecke. Der Kater treibt mich die nächsten Tage vor sich her, so dass ich am Montag mehrmals auf der Arbeit einschlafe. Keine Kippen, kein Essen selbst das Wasser stammt aus der Leitung. Um 20 Uhr bin ich im Bett. Kurz die Augen zu machen, der Wecker klingelt. Nein. Das wars. Da bin ich lieber arm. In meiner Wut schmeiße ich den scheiss Wecker gegen die Wand und gehe wieder ins Bett. Um 12 liege ich in der Badewanne und trinke den Rotwein meiner Mutter den ich auf keinen Fall anrühren soll. Ich rufe Benni an und wir verabreden uns zum Biertrinken, schließlich ist Sommer…

Die Firma ist kurze Zeit später pleite gegangen.

2 Antworten zu “Und so weiter…”


  1. 1 lebensbuehne 7. Januar 2008 um 09:48

    Bukowski und Provinzgeflüster bedanken sich!

  2. 2 Willi 9. Januar 2008 um 09:08

    Herrlicher Text, danke!


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