Archiv für Januar 2008

An manchen Tagen hat man das Gefühl, man hätte über einen längeren Zeitraum das Gewicht der Welt auf seinen Schultern getragen. Man kommt nach Hause, versucht noch etwas zu lernen aber das Hirn schaltet die Aufnahme aus. Spätestens wenn man sich dabei erwicht kurz während des Lesens die Augen zu schließen weiß man, dass es Zeit ist zu schlafen.

Ein seltsamer Zwischenzustand: Man weiß, dass man zuviel arbeitet aber gleichzeitig ist da diese Unsicherheit, ob es auch genug ist.

Es war wirklich sehr ungewohnt, eine Lehrveranstaltung zu besuchen, bei der keiner humoritische doch wenngleich ziemlich dumme Kommentare zum Besten gibt, geschweige denn zwischendurch laut „Laaaaangweilig“ ruft. Irgendwie fehlte mir das fast, doch die Intensität mit der der Lernstoff abgearbeitet wird, gibt einem das gute Gefühl voran zu kommen.

Aus Gesprächen mit meinen Komilitonen konnte ich schließen, dass ich vom Stoff her ganz gut in der Zeit liege und ich habe daher beschlossen mit Diesem noch intensiver zu widemen und noch mehr ins Detail zu gehen. Außerdem habe ich Erfahren, dass ich eventuell meine Teilnahme am Englischleistungskurs während des Abiturs als Studienleistung anrechnen lassen kann.

Derweil steigt mein Interesse an Werkstoffkunde immer mehr an. Ich entwickele einen starken Wissendurst, der mich dazu treibt selbst für die kompliziertesten Zweisstoffsysteme ausreichend zu recherchieren. Nur wird Informatik zum Problem. Es ist einfach so langweilig, theoretisch. Die Ergebnisse seiner Arbeit sehen zu müsssen, um eine Befriedigung zu verspühren ist vermutlich eine Handwerker-Krankheit.

Die Zeit rast und bald rückt nach Sylvester der zweite Horrortag des Jahres an: Mein Geburtstag. Schon wieder! 21 Jahre, dabei war ich doch gestern noch 17.

Die Fotographie leidet grade ein bisschen, aufgrund chronischem Zeitmangel.

„I am Legend“ hielt meiner Seele einen Spiegel vor. Damit meine ich nicht, die Jagdscenen, die Zombies oder die subtil versteckte Werbung für das amerikanische Millitär oder diverse Markenprodukte. Ich meine damit, dass ich genau nachfühlen konnte, was Robert Neville fühlte während er durch diese verlassene Stadt wanderte. Zuerst war mir unklar woher doch es war da.

Ich wusste es, weil ich mich oft genauso fühle.

Und so weiter…

Der Wecker klingelt und obschon im Hochsommer ist es draußen noch nicht hell. Langsam quäle ich mich hoch, wie ein alter Mann obwohl ich gerade 17 bin. Der Kühlschrank ist, ähnlich wie ich selbst gähnend leer also verzichte ich auf Frühstück und stopfe mir stattdessen ein paar Corny’s in meinen Rucksack.

Auf dem Weg zum Bahnhof fühle ich mich wie als wären Jahrhundert schneller als Tage an mir vorbeigezogen. Unsterblich, sich durch die Zeit quälend, die ein Feldweg in einem Kaff in Niedersachsen ist. Im Zug treffe ich Steffen. Er ist wesentlich älter, Student glaube ich und arbeitet ebenfalls bei Lieker Stahlbau. Jedoch hat er das Glück gehabt in der Halle Fensterrahmen zusammenschrauben zu dürfen, während ich mit rauß muss um die Dinger und die entsprechenden Scheiben durch die Gegend zu schleppen. Steffen scheint topfit. „Man gewöhnt sich daran“ meint er und erzählt lachend wie er beim Schwarzfahren erwischt wurde.

Kurze Zeit später stehe ich in dieser verdammten Halle und höre dabei zu, wie der Meister herumbrüllt. „Beweg dich Eisbär“. Eisbär ist ein 30-Jähriger Russe, der so genannt wird seit zwei Eisbären auf der Einladung zu seiner Hochzeit abgebildet waren. Er nimmt es locker, hat absolut keine Lust und macht auch nicht die geringsten Anstalten das zu verbergen. Irgendwo finde ich eine Kippe die ich aus meinen letzten Tabakresten gestopft habe, zünde sie mir an und mein rebellierender Magen macht mich darauf aufmerksam, dass Nikiton kein Nahrungsmittel, sondern ein Nervengift ist.

Unterwegs bin ich mit Tom. Ein Junggebliebener, der den ganzen Tag wie Paul Panzer redet und sich darüber kaputtlacht. „Ich sage dir, wenn mir die Arbeit hier nicht so einen Spaß machen würde hätte ich schon längst gekündigt.“ Ich drehe mich um und hebe die Fensterscheibe.

Mit halb geschlossenen Augen sitze ich im Zug. Über und über mit Dreck vollgeschmiert, denn es regnete und irgendwelche Styporstückchen mussten in irgendwelche Fugen gestopft werden. Die Leute schauen mich angewiedert an. Doch es ist Freitag ! Wochenende!

Ich will, nein ich muss mich besaufen. Das alles vergessen, mich gut fühlen. Und genau das tun wir. Drei Stunden später kotze ich vom „Petite Fleur“ in eine Gartenhecke. Der Kater treibt mich die nächsten Tage vor sich her, so dass ich am Montag mehrmals auf der Arbeit einschlafe. Keine Kippen, kein Essen selbst das Wasser stammt aus der Leitung. Um 20 Uhr bin ich im Bett. Kurz die Augen zu machen, der Wecker klingelt. Nein. Das wars. Da bin ich lieber arm. In meiner Wut schmeiße ich den scheiss Wecker gegen die Wand und gehe wieder ins Bett. Um 12 liege ich in der Badewanne und trinke den Rotwein meiner Mutter den ich auf keinen Fall anrühren soll. Ich rufe Benni an und wir verabreden uns zum Biertrinken, schließlich ist Sommer…

Die Firma ist kurze Zeit später pleite gegangen.

 

Die Bilder repräsentieren meine Gefühle darüber, dass ich morgen wieder zur Arbeit muss. Bitte versteht mich nicht falsch, ich bin durchaus motiviert sinnvoll zu arbeiten, doch dies ist dort kaum möglich. Am Schlimmsten finde ich noch, dass die ganzen Kontrollinstanzen, die ein solcher Betrieb hat einfach nicht funktionieren.
Ich mag meinen Ausbildungsberuf, aber mein Job macht keinen Spaß.

Working Space

 An diesem Ort verbringe ich also meine meiste Zeit, auf diese zwei Bildschirme starrend. Oder in eins der Hefte.

FadingAway2

Eine weitere Version. Die Lichter der Häuser im Hintergrund sind retuschiert und es ist mit dem „Altern“-Filter von iPhoto belegt. So gefällt es mir wesentlich besser, denn der Filter lässt die Situation viel kälter wirken.

Ich habe mir 4GB RAM für mein MacBook gegönnt und nun geht das Bearbeiten wesentlich flüssiger von der Hand.

FadingAway

P.S.: Das Bild hat leider in der Verkleinerung ganz schön an Qualität verloren

 

Aus der Reihe „Seltsame Beobachtungen meiner Selbst“ folgt nun:

Mir ist gerade aufgefallen, dass es Leute gibt, die jedem Monat eines Jahres bestimmte Attribute zuordnen können. Seien es Musik, Erlebnisse oder Konsumgeschichten. Ich kann das nicht.

Unbedingt mal Giardini Di Miro hören. Ich bin ja sonst eher nicht so ein Freund dieser leicht melancholischen Alternative-Musik. Aber diese hat echt was.