Benni und ich wanderten durch die tote Stadt. Ursprünglich waren wir unterwegs in die große Stadt, doch wir entschlossen uns zu einem Zwischenstop um Getränke zu kaufen. Der graue Schleier war wie gewöhnlich präsent, umhüllt einen und fördert die Verzweifelung, die man sonst ganz gut unter Kontrolle hat. So wanderten wir mit Bieren unterm Arm die Straße entlang.
Ein Auto hielt neben uns und wie durch ein Licht des guten wird der graue Schleier von zwei wunderschönen Frauen durchbrochen. Gesunde, gut gelaunte blauäugige Gesichter mit einem latenten Lächeln auf den Lippen teilen einem mit, dass sie in die große Stadt wollen, genau wie wir. Sie sind leicht alternativ angezogen wirken auf Anhieb aufgeschlossen und sympathisch. Sie wollen einfach einen schönen Abend verbringen. Ich beschreibe ihnen den Weg und frage mich, warum sie volle 30 Kilometer von ihrem Ziel abgekommen sind und gehe weiter.
Es hätte so ein schöner Abend werden können: “Ja wir wollen auch in die große Stadt, nehmt uns einfach mit und wir zeigen euch wo es langgeht”. Wer weiß was dann passiert wäre? Dies alles wird mir nur leider erst dann klar, als die Beiden schon längst außer Sichtweite sind. Nicht, dass man nur auf einer schnellen Nummer aus wär. Das Problem ist, wenn man in einem männlichen dominierten Beruf arbeitet und auch noch einen männlich dominierten Studiengang belegt so selten Zeit mit Frauen verbringen kann. Es fehlt einfach etwas und man fühlt sich oft einsam.
“Neeeeeein” stöhne ich und erkläre Benni meine Gedankengänge.
Die nächsten 10 Minuten verbringen wir damit unsere eigene lahme Blödheit zu verfluchen. Auch im Zug noch und in der Stadt angekommen. Währendessen lehren wir ein Bier nach dem anderen. Eigendlich wollte ich nicht soviel trinken aber es ist so unendlich frustrierend, dass man die Chance auf einen netten Abend derartig blöde in den Sand gesetzt hat.
Natürlich nehmen wir die falsche Straßenbahn auf dem Weg zu einem Freund. So sind wir gezwungen, den größten Teil des Weges an den Gleisen entlang zu latschen. Ich komme mir vor wie in einem billigen Wildwestfilm. Als wir an unserem Ziel ankommen, sind wir betrunken. Der übliche Abend, die übliche Prozedur. Wie oft wünschte man sich schon etwas besonderes, anderes zu erleben.
Ich fahre früher nach Hause. Am Bahnhof in der großen Stadt sind unzählige Ziellose unterwegs. Die Meisten von ihnen sind betrunken.”Vielleicht wollen wir gar nicht rauß, aus dem Trott, vielleicht tun wir uns alle ganz gerne selbst Leid” denke ich und vor dem Hintergrund kaufe ich mir spontan noch zwei Halbe und trinke sie im Zug. Vielleicht ist aber auch die Vorstellung, dass einem mal etwas positives wiederfährt so absurd geworden, dass man es schon gar nicht mehr erkennt.
Auf der Hälfte der Strecke drückt mir die Blase. Durch den Zug wankend stelle ich fest, dass die Toilette nicht benutzbar ist. Ich versuche auszuhalten doch es drückt zu sehr also steige ich an der nächsten Haltestelle aus und in ein anderes Abteil ein. Die Zugtoilette ist bis oben hin vollgepisst doch mir ist alles egal und pinkel einfach drauf.
Der nächste Morgen beginnt mit heftigen Kopfschmerzen, wie zu erwarten, ein Gefühl, dass ich gar nicht vermisst hab.
Aus diesen Ereignissen resultiert, dass ich heute zu verkatert war um zu lernen, obwohl nächsten Monat Prüfung in Werkstofftechnik ist und ich noch jede Menge Stoff vor mir hab.
Die Zukunft macht mir Angst.